Donnerstag, 31. Dezember 2015

Weihnachtszeit in Tarija



Jetzt im Dezember herrschte etwas Ausnahmezustand hier in EDYFU. Seit Ende November sind die Schulen in Tarija geschlossen und die Kinder haben jetzt 2 Monate lang Sommerferien. Ja genau, Sommerferien! Und da Weihnachten vor der Tür stand, musste EDYFU eine Peña Folklorica organisieren, um Geld für die Weihnachtsgeschenke der Kinder im Projekt zu sammeln. Eine Peña Folklorica ist ein Fest, welches am Abend stattfindet und auf dem hauptsächlich folkloristische Musik gespielt wird. Für dieses Fest musste aber erst einmal eine Menge geplant werden. Jeder Freiwillige musste außerdem 10 Eintrittskarten verkaufen. Das war nicht sehr einfach, da wir 10 Freiwillige waren und einfach keine 100 Leute in Tarija kannten. Also mussten wir über unserer Schatten springen und in Bars, Cafes, Restaurants oder in den Parks die Menschen ansprechen, wodurch wir aber auch wieder mehr Leute kennlernten. Und selbst dadurch haben wir nicht alle verkauft, sodass wir sie am Tag des Festes vor dem Eingang der Peña verkaufen mussten. Die Bands und der Saal wurden uns zum Glück kostenlos zur Verfügung gestellt. Die Feier war sehr schön und es herrschte gute Stimmung. Für mich war es auch mal etwas anderes, fast alle Menschen, die ich bis jetzt kennengelernt habe, auf der gleichen Feier zu haben. Schließlich haben wir an diesem Abend so viel durch die Feier verdient, dass wir jedem Kind ein Geschenk im Wert von 27 Bolivianos kaufen konnten. Und das bei weit über 300 Kindern.Gemeinsam mit den anderen Mitarbeitern haben wir die Geschenke ausgesucht und sie eingepackt.


Nach der Peña änderte sich für Wienke und mich einiges im Projekt, da 6 Freiwillige abgereist waren, und wir für das Projekt „El Amanecer“ und „La Libelula“ nur noch zu dritt waren. Lukas, ein weiterer Freiwilliger vom BKHW, arbeitete nach wie vor in Morros Blancos im Projekt „El Amanecer“. Wienke arbeitete wie zuvor auch weiterhin in „La Libelula“. Bei mir allerdings war es vor der Pena noch unklar, wie meine Arbeit weiterhin aussehen wird. Ich hatte nachgefragt, ob ich in der Alberque arbeiten kann, da ich es einmal 2 Tage lang ausprobiert habe und es mir sehr gut gefallen hat. Das war aber ein Problem, da ich eigentlich in Morros Blancos arbeiten sollte. Ich wollte auch meinen Sportkaratekurs in Morros Blancos nicht aufgeben, weil es den Kindern dort so gut gefallen hat. Jetzt war die Situation also genau umgekehrt. Zu Beginn wurde ich nicht wirklich gebraucht und als dann alle Voluntäre abgereist waren, wollten sie mich gerne in beiden Projekten, da in jedem jeweils nur ein Voluntär arbeitete. Schließlich einigten wir uns darauf, dass ich weiterhin den Sportkaratekurs im „El Amanecer“ in Morros Blancos geben durfte und ansonsten hauptsächlich zusammen mit Wienke für die Alberque in „La Libelula“ zuständig bin.                                                 

Die Arbeit in der Alberque besteht darin, die Mädchen morgens zu wecken, mit ihnen zu frühstücken, danach zu schauen, dass sie ihre Zimmer putzen und sich richten. Normalerweise müssen wir auch darauf achten, dass sie rechtzeitig zu Schule gehen, aber in der Ferienzeit herrscht nicht die übliche Routine. Nach dem Mittagessen müssen wir darauf achten, dass alle Mädchen duschen und um 17 Uhr müssen wir Tee vorbereiten und setzen uns eine Weile mit den Mädchen an den Tisch. Später essen wir zu Abend mit ihnen und unternehmen noch unterschiedliche Aktivitäten. Jetzt in den Ferien sind wir oft abends mit ihnen in die Stadt gefahren und waren in den Parks, etwas essen, bei Weihnachtsvorstellungen oder auf Spielplätzen. In der Alberque gibt es 3 Mädchen, mit denen während der Ferien intensiv gearbeitet werden musste, damit sie nicht das Schuljahr wiederholen müssen. Wienke arbeitete mit einem der Mädchen und ich mit den anderen zwei, Maria und Anahi,  welche Geschwister waren. Das hat sich aber als alles andere als einfach erwiesen. Maria ging immer wieder ohne Erlaubnis nach Hause und kam erst sehr spät wieder ins Projekt. Daher habe ich sehr selten mit ihr arbeiten können. Immer wieder musste ich Maria von zu Hause holen und der Mutter erklären, dass s wichtig ist, dass sie regelmäßig erscheint. Die Geschwister  weigerten sich aber beide oft zu arbeiten, sodass ich ihnen nicht helfen konnte. Schließlich musste ich leider auch mit der Unterstützung der 2 Mädchen aufhören, da ich es nicht schaffte, mich bei ihnen durchzusetzen.  



 Anfang Dezember wurden im „La Libelula“  dann auch die Ferienaktivitäten bis Weihnachten für die Kinder geplant. Wienke und ich waren die einzigen Voluntäre in diesem Projekt, daher mussten wir uns nicht nur um die Mädchen der Alberque kümmern, sondern auch einige Aktivitäten in den Ferien beisteuern. Wir hatten eine Menge geplant, wie z.B. einen Schwimmkurs, Spielenachmittage, Ausflüge, Basteln und auch viele Weihnachtsaktivitäten, wie Weihnachtskarten und Geschenke basteln und Plätzchen backen. Die ersten 3 Dezemberwochen bis Weihnachten waren gut mit Aktivitäten gefüllt und ich war sehr gespannt darauf, so viel Verschiedenes mit den Kindern zu unternehmen. Leider wurden uns oft die Materialien nicht zur Verfügung gestellt, da es wenig Geld gab, die Pläne wurden spontan geändert oder es wurde keine Rücksicht auf unsere geplante Aktivitäten genommen und die Kinder wurden nach Hause geschickt oder man hat andere Dinge mit ihnen unternommen. Der Schwimmkurs konnte oft nicht stattfindet, da es fast immer geregnet hat und kälter war. Auch die Aktivitäten von den Mitarbeitern fanden oft nicht statt, so dass es Nachmittage gab, in denen die Kinder gelangweilt waren. Das einzige, was wirklich funktioniert hat, waren die Ausflüge bis uns irgendwann das Auto des Projekts nicht mehr zur Verfügung gestellt wurde. Eigentlich sollte auch mit den Kindern zusammen an der Weihnachtsdekoration für unsere Bühne gearbeitet werden, aber letztendlich haben es die Mitarbeiter alleine gemacht, was ich ziemlich schade fand. Ich hatte auch mit den Kindern geplant, Plätzchen zu backen. Nachdem ich dafür alles vorbereitet hatte, hat eine Lehrerin aber alle Kinder nach Hause geschickt, so dass ich mit meinen Plätzchenteig etwas doof da stand. Um den Teig dann aber noch zu verwenden, habe ich die Plätzchen mit den Mädchen aus der Alberque gemacht. Allgemein war ich traurig darüber, dass es vor allem mit den Weihnachtsaktivitäten nicht wirklich geklappt hat, da ich selber Weihnachten sehr mag und es so viele Dinge gibt, die man zum Thema Weihnachten mit Kindern machen kann. Aber dadurch, dass wenige der Aktivitäten wirklich stattgefunden haben, kam keine wirkliche Weihnachtsstimmung auf.  Eines der schönsten Momente, war als ich mit den Mädchen die Plätzchen gebacken habe. Da kam auch ich in Weihnachtsstimmung.    







        
Mein Sportkaratekurs in Morros Blancos konnte während der ganzen Ferienzeit nicht stattfinden, obwohl es abgesprochen war, dass ich diesen Kurs mit den Kindern weiterhin machen durfte. Mit den Kindern wurden zu dieser Zeit stattdessen andere Dinge unternommen oder sie haben die Kinder nach Hause geschickt. Ich hoffe, dass ich wieder zu den abgemachten Zeiten meinen Kurs weiterführen kann, sobald hier die Schule wieder losgeht. Dann gibt es auch wieder einen etwas geregelteren Ablauf. 

Bei den Patenschaften habe ich diesen Monat auch schon etwas mitgeholfen. Die Kinder, welche Paten besitzen, mussten für ihren Paten oder ihre Patin eine Weihnchtskarte schreiben und durften als Geschenk auch etwas malen oder basteln. Ich habe den Kindern dabei geholfen ihre Karten zu schreiben und musste einige dieser Karten anschließend auf Englisch oder auf Deutsch übersetzen.


Am letzten Tag bevor „La Libelula“ auch für eine Weile Urlaub machte, dem 23. Dezember, fand die Chocolatada statt. Hierzu wurden alle Eltern mit den Kindern eingeladen, es gab einige Vorführungen, wie z.B. eine kleine Ballettaufführung, welche Wienke mit den Mädchen aus der Alberque einstudiert hat, einen Chor und kleine Wettbewerbe, wo man etwas gewinnen konnte. Ein Freiwilliger, der kürzlich aus Kanada angereist war, verkleidete sich als Weihnachtsmann um die Geschenke zu verteilen. Für jedes Kind gab es aber vor der Geschenkausgabe noch eine heiße Schokolade und eine Tüte mit Kuchen, Muffins und Süßigkeiten. Alle  Mitarbeiter mussten backen um diese Tüten zu füllen. Wienke und ich waren am Tag davor damit beschäftigt, 250 Muffins für jedes Kind zu backen. Nach der Chocolatada gab es dann endlich die Geschenke. Die Kinder haben sich sehr über die Geschenke gefreut und auch darüber, endlich mal den Weihnachtsmann kennenzulernen. Es war auch sehr schön, sehen zu können, wie sehr sie sich darüber freuen und dass sich der Aufwand gelohnt hatte. Zum Schluss gab es noch das typische Weihnachtsessen in Tarija: Picana. Das sind verschiedene Fleischsorten, welche mit Wein gekocht werden, was hier sonst eher ungewöhnlich ist. Dazu gibt es gekochtes Gemüse, Kartoffeln und einen gekochten Maiskolben. Ich fand es nur etwas schade dass es keinen richtigen Abschluss gab, sondern dass nach und nach die Kinder nach dem Mittagessen gegangen sind.











Hier in Tarija oder allgemein in Bolivien ist Weihnachten nicht so ein großes Familienfest wie in Deutschland. Oftmals verbringt man am Abend des 2. Nur kurz Zeit mit der Familie und geht dann feiern. Was hier für mich sehr ungewöhnlich war, ist dass sie den 25. Dezember um Mitternacht mit Feuerwerken einleiten. Am 24. Dezember waren Wienke und ich mit 2 Mitarbeitern aus „La Libelula“ in einem Restaurant essen und wir haben uns um Mitternacht die Feuerwerke angesehen. Bei den Feuerwerken hatte ich irgendwie das Gefühl, dass schon Neujahr ist. Auch wenn hier die Plazas voll mit Weihnachtslichtern sind und es auch zwei Weihnachtsmärkte gibt, fehlte mir irgendwie doch die Kälte, Schnee und die Familie um in Weihnachtsstimmung zu kommen.

Im Januar geht es erst einmal nach La Paz und anschließend auf das Zwischenseminar des BKHW in Sucre. Ich freue mich schon darauf, euch dann von meinen Reisen zu erzählen. Jetzt wünsche ich euch allen erst einmal einen guten Start in das neue Jahr und feiert ordentlich.

Sonntag, 13. Dezember 2015

Sama & Tariquia



In letzter Zeit habe ich nicht viel von mir hören lassen. Wie ich bereits schon erwähnte, habe ich mich aber auch mehr auf die Arbeit konzentriert. Jetzt habe ich endlich die Zeit gefunden, euch ausführlich von einem meiner Erlebnisse hier zu berichten. Vor ca. einem Monat war ich mit einem Teil der Freiwilligen an einem Wochenende in SAMA und in Tariquia.

Am Freitag um 4 Uhr morgens machte ich mich gemeinsam mit 4 anderen Freiwilligen in einem Taxi auf den Weg nach SAMA. Wir hatten uns alle den Freitag freigenommen um einen ganzen Tag in SAMA verbringen zu können. SAMA liegt westlich von Tarija und ist ein Nationalpark. In diesem Nationalpark gibt es einige Lagunen, Sanddünen (Ich kann mir echt nicht erklären wie die dahin gelangt sind), wunderschöne Berge mit einer Höhe von bis zu 4710 Metern, archäologische Stätten der Inkas und kleine Gemeinden. Drei Stunden waren wir mit dem Taxi unterwegs und kurz bevor wir den Nationalpark erreichten, ging es ziemlich nah am Hang entlang die Berge hoch. Und es war unbeschreiblich, was für eine Aussicht wir vom Taxi aus hatten. Die Sonne schien zwischen den ziemlich kahlen Bergen hindurch und die Wolken saßen zwischen den Berggipfeln. Als wir den Nationalpark erreichten, sahen wir sofort eine große Herde Lamas. Unser Taxifahrer ließ uns nahe einer Lagune aussteigen und wir einigten uns darauf, dass wir uns 5 Dörfer weiter in Copacabana wieder mit ihm treffen.  Was mir vor allem auffiel, als wir uns auf den Weg machten, war die Stille. Es war sehr ruhig. Man konnte keine Autos sehen, keine anderen Menschen und sehr selten eine kleine Hütte. Oft sind wir an Kuh-, Schaf- oder Lamaherden vorbeigekommen. Da wir alle so scharf darauf waren, ein Selfie mit einem Lama zu haben, näherten wir uns ganz still und leise einer großen Lamaherde, welche uns aber nicht ganz so sympathisch fand, auf Abstand blieb und uns ohne zu Blinzeln lieber nur anstarrte. Auch Esel und Pferde grasten auf den Wiesen. Der Weg war nicht sehr anstrengend. Meistens war er ziemlich gerade und nur selten mussten wir über einen Hügel. Es kam einem so vor, wie wenn dieses weite Feld auf dem wir uns bewegten von den Bergen eingeschlossen ist. Und mittendrin lagen die Lagunen.
 Es war richtig schön mit den Mädels zu laufen und sich zu unterhalten. Insgesamt waren wir 5 Stunden unterwegs. Dabei kamen wir auch immer wieder an Ruinen vorbei, wo früher einmal Inkas angesiedelt waren. Wir hatten eine Karte von SAMA dabei, damit wir wussten, wann die nächste Gemeinde kommt. Ich hatte eine komplett falsche Vorstellung davon, wie diese Gemeinden aussehen. Meine Vorstellung war, dass sie aus mindestens 20-30 kleinen Häusern bestehen mit einigen kleinen Straßen und auch dem ein oder anderen Stand mit Lebensmitteln. Deshalb war ich etwas verwundert, als sich dann herausgestellte, dass 3 oder 4 Häuser eine Gemeinde darstellen. Eine etwas größere Gemeinde, durch welche wir gelaufen sind, hatte noch eine kleine Kirche und eine Schule. Viele Kinder hatten also einen Schulweg von mindestens einer Stunde, wenn sie aus einer anderen Gemeinde in der Umgebung kamen, da wir in den kleineren Dörfern keine Schulen entdecken konnten. Die wenigen Leute, denen wir begegneten waren immer sehr sympathisch und offen. Sie haben uns immer geholfen, den richtigen Weg zu finden. Kurz bevor wir in Copacabana ankamen führte unser Weg an den Sanddünen vorbei. Diese Sanddünen haben mich total verwundert. Inmitten der eher kahlen Landschaft und Lagunen gab es einfach einige wenige Sanddünen. Als es schon 12 Uhr war, sind wir auf eine der Sanddünen gestiegen, haben uns dort hingesetzt und unsere Sandwichs gegessen. Ich denke, ich hatte während dem Mittagessen noch nie eine so schöne Aussicht. Und es herrschte immer noch so eine Stille. Nach dem Essen ließen wir uns die Sanddünen runterrollen. Damit waren wir komplett voll mit Sand von Kopf bis Fuß. Nachdem wir wieder seit einer halben Stunde auf dem Weg nach Copacabana waren, kam uns der Taxifahrer entgegen und nahm uns mit. Er war sehr nett und hat uns alles über SAMA erzählt, was er wusste. Er hat uns zu einer der Lagunen gefahren und alle unsere Fragen beantwortet. Unser Taxifahrer war also auch irgendwie unser Tourguide. Um 14 Uhr nachmittags waren wir schon mit unserer Tour fertig und fuhren zurück. Allerdings haben wir auch nur einen kleinen Teil von SAMA gesehen. Ich habe mir vorgenommen auf jeden Fall zurückzugehen und vielleicht auch eine 2-Tagestour zu unternehmen. In SAMA haben sie an verschiedenen Orten auch Häuser, wo man für eine Nacht übernachten kann. An diesem Tag ging ich ziemlich früh schlafen, weil am nächsten Tag eine noch größere Wanderung anstand.








Am Samstag wartete ich gemeinsam mit 5 anderen Freiwilligen in der Stadtmitte auf den Taxi, der uns nach Tariquia bringen sollte. Normalerweise sollte es um 8.30 Uhr losgehen. Aber was wir noch nicht gelernt hatten, ist, dass man es in Bolivien mit der Uhrzeit nicht so genau nimmt. Also ging es um 10 Uhr dann im Taxi los nach Tariquia, das östlich von Tarija liegt. Es ist ein Nationalpark, welcher südöstlich von Tarija liegt und 246.670 Hektar groß ist. Tariquia wird als Yunga bezeichnet. Das ist ein Nebelwald, welcher eine Art von Regenwald ist. Yungas befinden sich in der Übergangsregion vom Hochland zum Dschungel. Diese Regionen sind auch sehr reich an exotischen Tier – und Pflanzenarten. In Tariquia z.B. leben Jaguare, Tapire, Andenbäre, Wasserschweine und Aras. Hier gibt es auch 23 Gemeinden, welche aber nur in einem kleinen Teil von Tariquia verteilt, liegen. Insgesamt leben im gesamten Naturschutzgebiet 4000 Menschen. Der Taxifahrer sollte uns soweit nach Tariquia reinfahren wie nur möglich. Das hieß also bis San Jose. Ab da gab es keinen Weg mehr, den ein Auto befahren kann. Wir mussten dann also zu Fuß weiter in Tariquia laufen. Auf dem Weg dorthin hatten wir alle ein bisschen Bammel, da wir von SERNAP (Servicio Nacional de Areas Protegidas), wo wir auch auf Tariquia aufmerksam geworden sind, erfahren haben, dass wir erst die zweite Touristengruppe sind, welche eine Tour in diesem Gebiet von Tariquia unternimmt. Dieser Nationalpark ist international auch nicht sehr bekannt.
Als wir am Nachmittag ankamen, war ich positiv überrascht darüber, dass unser Guide ein Mann war, welcher selbst aus Tariquia stammt und auch sein ganzes Leben dort verbracht hat. Zusammen mit ihm und 3 Eseln, welche sein Gepäck trugen, machten wir uns auf den Weg nach Pampa Grande, ca. 2-3 Stunden Fußweg entfernt. Aus dieser Gemeinde stammte auch unser Guide. Dort sollten wir eine Nacht verbringen. Was mir auf unserem Weg auffiel, war, dass man unserem Guide überhaupt keine Anstrengung ansah. Er war auch immer schneller als wir und musste oft auf uns warten, da wir manchmal etwas Probleme hatten mit ihm mitzuhalten. Der lange Weg machte ihm überhaupt nichts aus. Er war es wahrscheinlich auch gewohnt, weil alle Gemeinden hier mindestens 2 oder 3 Stunden voneinander entfernt lagen. Wir haben ihn sehr viel gefragt darüber wie es ist, so mitten in der Natur zu leben und er hat gesagt, er würde es nicht gegen Tarija tauschen wollen, da ihm die Großstadt zu chaotisch und stressig ist und man sich in einer Gemeinde sehr gut kennt und immer gegenseitig hilft, wenn es nötig ist. Wir haben uns sehr viel mit ihm ausgetauscht. Er war sehr daran interessiert, wo unsere Heimatländer liegen, wie die Landschaft dort aussieht, was wir für Tiere dort haben und wie die Menschen sind.
Pampa Grande sah sehr idyllisch aus. Es war eine große, weite Wiese mitten im Regenwald. Im Zentrum der Fläche befand sich eine Kirche und hinter der Kirche grasten Pferde. Es gab auch eine Schule und ein größeres Gebäude, welches ein Krankenhaus war. Die Häuser lagen verteilt um das Zentrum. Wie wir später erfuhren leben die Kinder, die dort zur Schule gehen, von Montag bis Freitag auch in der Schule, da sie teilweise aus Dörfer kommen, welche sehr weit entfernt liegen. Wir schliefen in einem leerstehenden Gebäude von SERNAP. Nachdem wir unsere Rucksäcke hier abgelegt hatten, liefen wir einige Minuten wieder durch den Wald bis wir an einem Fluss ankamen. Da es noch nicht sehr oft geregnet hatte und es keine starke Strömung gab, konnten wir hier baden. Danach aßen wir bei der Frau zu Abend, welche für das Gebäude von SERNAP sorgte. Wir unterhielten uns auch nach dem Essen eine Weile mit ihr. Von ihr erfuhren wir auch, dass es früher noch schwerer war, mit dem Auto nach Tariquia reinzufahren. Die Straßen werden langsam verbessert und dadurch kommen sie seit ca. 2 Jahren viel schneller an Waren. Davor haben sich immer einige wenige Bewohner aus einer Gemeinde zusammengeschlossen und waren ca. 2 Wochen mit Eseln unterwegs, bis sie wieder mit Waren zurückkamen. Jetzt schließen sie sich zusammen und können mit einem Taxi in die Stadt fahren um alles Nötige aus der Stadt zu besorgen. Früher ist man nicht mit dem Auto über die Berge nach Tarija gekommen. Auch jetzt sind die Straßen nicht ganz ungefährlich. Ich hatte manchmal auch ganz schön Angst auf dem Weg nach Tariquia. Aber die Aussicht, welche man auf Tariquia von oben auf den Bergen hatte, war wirklich unglaublich. Wir sind auch  vom Taxi ausgestiegen, um diesen Ausblick eine Weile zu genießen. Es war wirklich eines der schönsten Ausblicke, welche ich je hatte. Aber um zurückzukommen auf das Gespräch mit der Frau: Obwohl es manchmal etwas dauert bis man an bestimmte Waren kommt und eine größere Stadt erreicht, lebt sie doch viel lieber in Tariquia, da sie Tarija, wie unser Guide auch, viel zu hektisch und chaotisch findet. Sie mag die Ruhe, die in Tariquia herrscht. Auch mit ihr haben wir uns viel über unser Leben in Europa ausgetauscht und darüber wie das Leben in Tariquia ist. An diesem Abend sind wir sehr früh schlafen gegangen, da wir in unserem Zimmer keinen Strom hatten und somit nicht mehr viel unternehmen konnten und auch weil wir ziemlich müde waren. Außerdem lag am nächsten Tag eine Strecke von knapp 10 Stunden Fußweg vor uns.









 Am nächsten Morgen warteten wir auf den nächsten Guide in Pampa Grande, da unser Guide vom vorherigen Tag in Pampa Grande bleiben würde, da er auch hier lebt. Wir mussten eine Weile warten und währenddessen gingen wir nochmal im Fluss direkt neben der Schule schwimmen. Letzten Endes stellte sich heraus, dass unser Guide der Bruder vom vorherigen Guide war und erst 17 Jahre alt war. Darüber waren wir alle ein bisschen verwundert, aber die Menschen, welche hier leben kennen die Wege wie ihre Westentasche, dachte ich mir (um mich zu beruhigen). Es war ein ziemlich heißer Tag und die Sonne knallte auf unsere Köpfe, wenn wir gerade wieder über Wiesen liefen und nicht mitten im Wald waren, wo es kühler war. Unser Guide war natürlich schneller als wir und wir hatten alle Probleme mitzuhalten. Außerdem wussten wir, dass wir uns beeilen mussten, um rechtzeitig in Campo de Lima anzukommen, wenn wir nicht im Dunkeln durch den Wald laufen wollten. Dort wartete unser Taxifahrer auf uns. Viele außergewöhnliche Tiere sahen wir unterwegs nicht. Zum Beispiel die Jaguare, welche in Tariquia leben verirren sich, laut unserem Guide, eher selten in die Gegend der Gemeinden, sondern leben eher tief im Wald. Ich war jedes Mal schon von den tausend winzigen Fröschen begeistert, welche jedes Mal um unsere Füße hüpften, wenn wir einen Fluss überquerten.
Nachdem wir seit 9 Uhr morgens unterwegs waren, kamen wir um 17 Uhr in Cambari an, die einzige Gemeinde, welche wir seit unserem Weg durchliefen. Hier kauften wir uns frisch gepressten Orangensaft und Bier zur Stärkung. In Cambari gab es Schlafplätze, wo wir übernachten könnten. Mir wäre es lieber gewesen hier zu schlafen und einen Tag später zur Arbeit zurück zu sein, als im Dunkeln durch den Wald zu irren. Allerdings wollten die anderen nicht noch eine Nacht im Regenwald verbringen und rechtzeitig zur Arbeit zurück sein. Also machten wir uns weiter auf den Weg. Kurz nach Cambari musste sich unser Guide auf den Rückweg machen, um nicht erst am nächsten Tag wieder in Pampa Grande anzukommen. Dort, wo wir uns von ihm verabschiedeten, begann wieder ein befahrbarer Weg und unser Guide sagte, wir sollten einfach dieser Straße und den Reifenspuren folgen, sie würden uns direkt nach Campo de Lima führen. 
Da wir nur noch 2 Stunden Zeit hatten und es knapp werden würde, anzukommen, bevor es dunkel wird, versuchten wir die ganzen zwei Stunden lang nicht anzuhalten und möglichst schnell zu laufen. Wienke, Thomas und ich waren nach einiger Zeit schneller als die anderen und so blieben sie weiter hinten zurück. Anscheinend sollten wir nach 2 Stunden schon da sein, Allerdings konnten wir nirgends Lichter entdecken oder irgendetwas, dass nach einer Gemeinde aussah. Unser Guide hatte zu uns gesagt, dass der Taxifahrer nach Campo de Lima weiter in Tariquia reinfahren würde, wenn sich in den Flüssen wenig Wasser befand und er durchfahren konnte. Deswegen hofften wir die ganze Zeit darauf, dass der Taxifahrer uns entgegenfahren würde, aber die ganzen 2 Stunden fuhr nicht ein Auto vorbei. Es begann langsam dunkler zu werden und zu gewittern und ich hatte immer mehr das Gefühl in einem schlechten Horrorfilm zu sein. An manchen Stellen auf unserem Weg konnte man weite Teile von Tariquia überblicken und es sah schon wieder total verrückt aus. Eine weite Regenwaldlandschaft und immer wieder lauter Blitze, welche in den Regenwald einschlugen. Wir liefen schon schnell und hatten jedes Mal Angst an den nicht ganz so freundlichen Kühen und Bullen vorbeizugehen, welche mitten auf dem Weg standen. Und das Gewitter war, denke ich, auch nicht ganz ungefährlich. Manchmal teilte sich auch der Weg und wir hofften jedes Mal den richtigen genommen zu haben, der uns nach Campo de Lima führen würde und nicht weiter in den Wald hinein. Irgendwann war es so dunkel, dass man wirklich nichts mehr richtig sehen konnte. Zum Glück hatte Tomas seine Stirnlampe dabei, damit wir wenigstens wussten, wo wir hinliefen. Irgendwann, nachdem ich echt schon dachte wir hätten uns verlaufen, weil einfach keine Gemeinde auftauchte, erreichten wir eine Scheune. Wir riefen nach irgendjemandem, der vielleicht dort sein könnte, aber da war keiner. Trotzdem blieben wir aber neben der Scheune und warteten auf die anderen. Es verging eine Weile, sie tauchten nicht auf und wir fingen an uns Sorgen zu machen. Als ich gerade dabei war mich mit dem Gedanken abzufinden, hier draußen mitten im Wald die Nacht verbringen oder die anderen suchen zu müssen, kamen sie dann endlich. Kurz darauf sahen wir von weitem ein Licht auf uns zukommen. Wir waren erst einmal überglücklich endlich mal jemanden getroffen zu haben. Das musste eigentlich heißen, dass die nächste Gemeinde nicht sehr weit weg sein durfte. Es stellte sich heraus, dass es der Besitzer der Scheune war und er sagte, dass Campo de Lima nur noch 15 Minuten Fußweg entfernt lag. Total erleichtert machten wir uns dann weiter auf den Weg und hofften nur, dass unser Taxifahrer noch da war, weil wir echt mit großer Verspätung in Campo de Lima ankamen.  Als wir dann in der Gemeinde ankamen und den Taxifahrer sahen, fielen die meisten von uns ihm um den Hals, weil wir wirklich Angst gehabt hatten, gar nicht anzukommen oder den Taxifahrer nicht mehr anzutreffen. Der Taxifahrer hatte natürlich gar nicht damit gerechnet und war erstmal sprachlos. Er hatte 4 Stunden auf uns gewartet. Bei einer Bewohnerin kauften wir uns dann erstmal was zum Trinken und machten uns dann auf den Rückweg. Wir waren alle total müde und fielen sofort ins Bett als wir wieder zurück in der Libelula ankamen.