Jetzt im Dezember
herrschte etwas Ausnahmezustand hier in EDYFU. Seit Ende November sind die
Schulen in Tarija geschlossen und die Kinder haben jetzt 2 Monate lang
Sommerferien. Ja genau, Sommerferien! Und da Weihnachten vor der Tür stand,
musste EDYFU eine Peña Folklorica organisieren, um Geld für die Weihnachtsgeschenke
der Kinder im Projekt zu sammeln. Eine Peña
Folklorica ist ein Fest, welches am Abend stattfindet und auf dem hauptsächlich folkloristische Musik gespielt wird. Für dieses Fest musste
aber erst einmal eine Menge geplant werden. Jeder Freiwillige musste außerdem 10
Eintrittskarten verkaufen. Das war nicht sehr einfach, da wir 10 Freiwillige
waren und einfach keine 100 Leute in Tarija kannten. Also mussten wir über
unserer Schatten springen und in Bars, Cafes, Restaurants oder in den Parks die
Menschen ansprechen, wodurch wir aber auch wieder mehr Leute kennlernten. Und
selbst dadurch haben wir nicht alle verkauft, sodass wir sie am Tag des Festes
vor dem Eingang der Peña verkaufen mussten. Die Bands und der Saal wurden uns
zum Glück kostenlos zur Verfügung gestellt. Die Feier war sehr schön und es
herrschte gute Stimmung. Für mich war es auch mal etwas anderes, fast alle
Menschen, die ich bis jetzt kennengelernt habe, auf der gleichen Feier zu
haben. Schließlich haben wir an diesem Abend so viel durch die Feier verdient,
dass wir jedem Kind ein Geschenk im Wert von 27 Bolivianos kaufen konnten. Und
das bei weit über 300 Kindern.Gemeinsam mit den anderen Mitarbeitern haben wir die Geschenke ausgesucht und sie eingepackt.
Nach der Peña änderte
sich für Wienke und mich einiges im Projekt, da 6 Freiwillige abgereist waren,
und wir für das Projekt „El Amanecer“ und „La Libelula“ nur noch zu dritt
waren. Lukas, ein weiterer Freiwilliger vom BKHW, arbeitete nach wie vor in
Morros Blancos im Projekt „El Amanecer“. Wienke arbeitete wie zuvor auch
weiterhin in „La Libelula“. Bei mir allerdings war es vor der Pena noch unklar,
wie meine Arbeit weiterhin aussehen wird. Ich hatte nachgefragt, ob ich in der
Alberque arbeiten kann, da ich es einmal 2 Tage lang ausprobiert habe und es
mir sehr gut gefallen hat. Das war aber ein Problem, da ich eigentlich in
Morros Blancos arbeiten sollte. Ich wollte auch meinen Sportkaratekurs in
Morros Blancos nicht aufgeben, weil es den Kindern dort so gut gefallen hat.
Jetzt war die Situation also genau umgekehrt. Zu Beginn wurde ich nicht
wirklich gebraucht und als dann alle Voluntäre abgereist waren, wollten sie
mich gerne in beiden Projekten, da in jedem jeweils nur ein Voluntär arbeitete.
Schließlich einigten wir uns darauf, dass ich weiterhin den Sportkaratekurs im
„El Amanecer“ in Morros Blancos geben durfte und ansonsten hauptsächlich
zusammen mit Wienke für die Alberque in „La Libelula“ zuständig bin.
Die Arbeit in der
Alberque besteht darin, die Mädchen morgens zu wecken, mit ihnen zu
frühstücken, danach zu schauen, dass sie ihre Zimmer putzen und sich richten. Normalerweise
müssen wir auch darauf achten, dass sie rechtzeitig zu Schule gehen, aber in
der Ferienzeit herrscht nicht die übliche Routine. Nach dem Mittagessen müssen
wir darauf achten, dass alle Mädchen duschen und um 17 Uhr müssen wir Tee
vorbereiten und setzen uns eine Weile mit den Mädchen an den Tisch. Später
essen wir zu Abend mit ihnen und unternehmen noch unterschiedliche Aktivitäten.
Jetzt in den Ferien sind wir oft abends mit ihnen in die Stadt gefahren und
waren in den Parks, etwas essen, bei Weihnachtsvorstellungen oder auf
Spielplätzen. In der Alberque gibt es 3
Mädchen, mit denen während der Ferien intensiv gearbeitet werden musste, damit
sie nicht das Schuljahr wiederholen müssen. Wienke arbeitete mit einem der
Mädchen und ich mit den anderen zwei, Maria und Anahi, welche Geschwister waren. Das hat sich aber
als alles andere als einfach erwiesen. Maria ging immer wieder ohne Erlaubnis
nach Hause und kam erst sehr spät wieder ins Projekt. Daher habe ich sehr
selten mit ihr arbeiten können. Immer wieder musste ich Maria von zu Hause
holen und der Mutter erklären, dass s wichtig ist, dass sie regelmäßig
erscheint. Die Geschwister weigerten
sich aber beide oft zu arbeiten, sodass ich ihnen nicht helfen konnte.
Schließlich musste ich leider auch mit der Unterstützung der 2 Mädchen
aufhören, da ich es nicht schaffte, mich bei ihnen durchzusetzen.
Anfang Dezember wurden
im „La Libelula“ dann auch die
Ferienaktivitäten bis Weihnachten für die Kinder geplant. Wienke und ich waren
die einzigen Voluntäre in diesem Projekt, daher mussten wir uns nicht nur um
die Mädchen der Alberque kümmern, sondern auch einige Aktivitäten in den Ferien
beisteuern. Wir hatten eine Menge geplant, wie z.B. einen Schwimmkurs,
Spielenachmittage, Ausflüge, Basteln und auch viele Weihnachtsaktivitäten, wie
Weihnachtskarten und Geschenke basteln und Plätzchen backen. Die ersten 3
Dezemberwochen bis Weihnachten waren gut mit Aktivitäten gefüllt und ich war
sehr gespannt darauf, so viel Verschiedenes mit den Kindern zu unternehmen.
Leider wurden uns oft die Materialien nicht zur Verfügung gestellt, da es wenig
Geld gab, die Pläne wurden spontan geändert oder es wurde keine Rücksicht auf
unsere geplante Aktivitäten genommen und die Kinder wurden nach Hause geschickt
oder man hat andere Dinge mit ihnen unternommen. Der Schwimmkurs konnte oft
nicht stattfindet, da es fast immer geregnet hat und kälter war. Auch die
Aktivitäten von den Mitarbeitern fanden oft nicht statt, so dass es Nachmittage
gab, in denen die Kinder gelangweilt waren. Das einzige, was wirklich
funktioniert hat, waren die Ausflüge bis uns irgendwann das Auto des Projekts
nicht mehr zur Verfügung gestellt wurde. Eigentlich sollte auch mit den Kindern
zusammen an der Weihnachtsdekoration für unsere Bühne gearbeitet werden, aber letztendlich haben es die Mitarbeiter alleine
gemacht, was ich ziemlich schade fand. Ich hatte auch mit den Kindern geplant,
Plätzchen zu backen. Nachdem ich dafür alles vorbereitet hatte, hat eine
Lehrerin aber alle Kinder nach Hause geschickt, so dass ich mit meinen Plätzchenteig
etwas doof da stand. Um den Teig dann aber noch zu verwenden, habe ich die
Plätzchen mit den Mädchen aus der Alberque gemacht. Allgemein war ich traurig
darüber, dass es vor allem mit den Weihnachtsaktivitäten nicht wirklich
geklappt hat, da ich selber Weihnachten sehr mag und es so viele Dinge gibt,
die man zum Thema Weihnachten mit Kindern machen kann. Aber dadurch, dass
wenige der Aktivitäten wirklich stattgefunden haben, kam keine wirkliche
Weihnachtsstimmung auf. Eines der
schönsten Momente, war als ich mit den Mädchen die Plätzchen gebacken habe. Da
kam auch ich in Weihnachtsstimmung.
Mein Sportkaratekurs
in Morros Blancos konnte während der ganzen Ferienzeit nicht stattfinden,
obwohl es abgesprochen war, dass ich diesen Kurs mit den Kindern weiterhin
machen durfte. Mit den Kindern wurden zu dieser Zeit stattdessen andere Dinge
unternommen oder sie haben die Kinder nach Hause geschickt. Ich hoffe, dass ich
wieder zu den abgemachten Zeiten meinen Kurs weiterführen kann, sobald hier die
Schule wieder losgeht. Dann gibt es auch wieder einen etwas geregelteren
Ablauf.
Bei den Patenschaften habe ich diesen Monat auch schon etwas mitgeholfen. Die Kinder, welche Paten besitzen, mussten für ihren Paten oder ihre Patin eine Weihnchtskarte schreiben und durften als Geschenk auch etwas malen oder basteln. Ich habe den Kindern dabei geholfen ihre Karten zu schreiben und musste einige dieser Karten anschließend auf Englisch oder auf Deutsch übersetzen.
Am letzten Tag bevor
„La Libelula“ auch für eine Weile Urlaub machte, dem 23. Dezember, fand die
Chocolatada statt. Hierzu wurden alle Eltern mit den Kindern eingeladen, es gab
einige Vorführungen, wie z.B. eine kleine Ballettaufführung, welche Wienke mit
den Mädchen aus der Alberque einstudiert hat, einen Chor und kleine Wettbewerbe, wo man
etwas gewinnen konnte. Ein Freiwilliger, der kürzlich aus Kanada angereist war,
verkleidete sich als Weihnachtsmann um die Geschenke zu verteilen. Für jedes
Kind gab es aber vor der Geschenkausgabe noch eine heiße Schokolade und eine
Tüte mit Kuchen, Muffins und Süßigkeiten. Alle
Mitarbeiter mussten backen um diese Tüten zu füllen. Wienke und ich waren
am Tag davor damit beschäftigt, 250 Muffins für jedes Kind zu backen. Nach der
Chocolatada gab es dann endlich die Geschenke. Die Kinder haben sich sehr über
die Geschenke gefreut und auch darüber, endlich mal den Weihnachtsmann
kennenzulernen. Es war auch sehr schön, sehen zu können, wie sehr sie sich
darüber freuen und dass sich der Aufwand gelohnt hatte. Zum Schluss gab es noch
das typische Weihnachtsessen in Tarija: Picana. Das sind verschiedene
Fleischsorten, welche mit Wein gekocht werden, was hier sonst eher ungewöhnlich
ist. Dazu gibt es gekochtes Gemüse, Kartoffeln und einen gekochten Maiskolben. Ich
fand es nur etwas schade dass es keinen richtigen Abschluss gab, sondern dass
nach und nach die Kinder nach dem Mittagessen gegangen sind.
Hier in Tarija oder
allgemein in Bolivien ist Weihnachten nicht so ein großes Familienfest wie in
Deutschland. Oftmals verbringt man am Abend des 2. Nur kurz Zeit mit der
Familie und geht dann feiern. Was hier für mich sehr ungewöhnlich war, ist dass
sie den 25. Dezember um Mitternacht mit Feuerwerken einleiten. Am 24. Dezember
waren Wienke und ich mit 2 Mitarbeitern aus „La Libelula“ in einem Restaurant
essen und wir haben uns um Mitternacht die Feuerwerke angesehen. Bei den
Feuerwerken hatte ich irgendwie das Gefühl, dass schon Neujahr ist. Auch wenn
hier die Plazas voll mit Weihnachtslichtern sind und es auch zwei
Weihnachtsmärkte gibt, fehlte mir irgendwie doch die Kälte, Schnee und die
Familie um in Weihnachtsstimmung zu kommen.
Im Januar geht es erst
einmal nach La Paz und anschließend auf das Zwischenseminar des BKHW in Sucre.
Ich freue mich schon darauf, euch dann von meinen Reisen zu erzählen. Jetzt
wünsche ich euch allen erst einmal einen guten Start in das neue Jahr und
feiert ordentlich.








